Jede Zeit hat ihre Moden, und auch im Radio ist mal die eine Gestaltungsform „in“, um ein paar Jahre später einer anderen Platz zu machen. Die Live-Reportage hatte ihre große Zeit in vergangenen Tagen, als das Fernsehen noch nicht allgegenwärtig war und entferntes Geschehen nur übers Radio vielen Menschen nahegehen konnte. Das Radio ging aber dazu über, lieber fertig aufgenommene Beiträge zu senden. Oder, wenn’s live sein soll, dann nur als Kompromiss: Der Reporterkollege spielt zu seinem eigenen Text noch vorbereitete O-Töne vor. In beiden Varianten kann man schöner planen. Die Live-Reportage verschwand, und heute ist der einzige Ort, an dem sie mir regelmäßig begegnet, kurioserweise das Fernsehen: zum Beispiel im ARD-Morgenmagazin. (Und natürlich die Bundesliga-Konferenz, aber das ist ein Sonderfall.)

Das Deutschlandradio Kultur will seinen Berichterstattern den Adrenalinkick zurückbringen. Bis zum Sommer stehen sie jeden Mittwoch morgen irgendwo in Deutschland und warten auf das Startkommando aus dem RIAS-Bau. „Irgendwo“ heißt genauer: Auf dem elften Längengrad, der die Bundesrepublik von der Zugspitze bis nach Fehmarn durchmisst. Los ging’s in luftigen Höhen am Schneefernerhaus. Eine schöne Initiative, finde ich – und vielleicht kommt diese Form ja auch anderswo im Hörfunk wieder in Mode.

„Meridian 11“, jeden Mittwoch um 8.20 Uhr im Deutschlandradio Kultur und zum Nachhören.

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