Bellätheristik


Außerhalb der 24-Stunden-Serie hier zwei aktuelle Tipps für den Sonntag. Die pompöse Hör-Umsetzung des Ken-Follett-Bestsellers Die Tore der Welt beginnt (quasi eine Fortsetzung der Säulen der Erde) – da muss man einfach ein paar mittelalterliche Häppchen anrichten und den ersten Teil genießen. Sonntag um 15 Uhr auf WDR 5, mehr Infos auf der sehr hübschen Homepage.

radio4-logoAußerdem habe ich heute zufällig (=p<0,02) das ergötzlichste Hörerlebnis seit Wochen gehabt, mit einem ganz ungewöhnlichen Thema im Radio: Zahlen. Jeder Praktikant bekommt bei seinem ersten Beitrag eingebläut, nicht zu viele von ihnen zu verwenden, weil das Aufnahmevermögen für Zahlen, die man nur hört, aber nicht bildlich vor sich hat, doch begrenzt ist. Um so eindrucksvoller, dass die BBC  zweimal im Jahr die Miniserie More or less produziert, die sich nur mit Zahlen und Statistik im Alltag befasst. In Folge 1 der neuen Staffel geht es um die Folgen einer Drogenlegalisierung, Prognosen über eine vermeintliche Islamisierung Englands, die schrullige Liebe des Ex-Bildungsministers Charles Clarke zu Vollkommenen Zahlen (meine Lieblingsstelle) und die besten Metaphern für die Finanzkrise. Sonntag, 21 Uhr deutscher Zeit auf BBC Radio 4 oder als Podcast.

PS: Trotz Nachsinnens habe ich nicht die „eine“ besondere Sendung für die 17-Uhr-Stunde auswählen können. Der Westblick ist ein sehr gutes Landesjournal, aber doch wohl nur für Rheinländer und Westfalen interessant, die Radiowelt wurde schon gelobt, Wirtschaft und Gesellschaft ist auch hervorragend. Qual der Wahl also.

Advertisements

Mir wäre ja ein orthopädisch-mystischer Krimi namens Hexenschuss lieber gewesen. Aber vorschnell sollte ich auch nicht über den neuen BR-Tatort urteilen. Es geht um den Mord an einer 17-jährigen Dorfschönheit aus Bruck am Inn, und auf die historischen Querverbindungen in die Nach-Mittelalter-Zeit bin ich neugierig. Faszinierend übrigens das Alter der Ermittler. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich langsam altere, aber die Schauspieler Brigitte Hobmeier und Florian Karlheim sind beide Jahrgang 1976 – das halte ich spontan mal für einen Tatort-Rekord. Im Fernseh-Tatort ist mir auch kein jüngerer Darsteller bekannt.

„Hexenjagd“ läuft u.a. heute um 22 Uhr bei SWR 2 und am Samstag um 10 und 23 Uhr auf WDR 5. Außerdem ab Dienstag zum Nachhören und Downloaden im Netz.

Einen hardboiled detective wirft so schnell kein Fall um. Nicht so wie diese weichen europäischen Ermittlerwürstchen, die voller Gefühle stecken. Meister dieser düsteren Krimigattung war neben Dashiell Hammett der in New York geborene Raymond Chandler. Heute vor 50 Jahren hauchte er seinen letzten Atem aus. Bayern 2 würdigt Chandler und seinen Privatdetektiv Philipp Marlowe in einem Doppelportrait.

„Jeder trinkt seinen Whisky am liebsten allein“, heute um 20.30 Uhr auf Bayern 2.

Kindle hin, E-Reader her – es gibt doch schon einen elektronischen Vorleser mit sogar menschlichem Antlitz, das Hörbuch nämlich. Die ARD lädt zur 9. Radionacht für die hübschen Lesungen ein. Moderiert wird die Gala von Randi Crott und Walter Filz, und zu hören gibt es Klassiker – Ulrich Noethen liest aus „Krieg und Frieden“ (in Auszügen), Christan Brückner aus Homers „Odyssee“ (ebenso) – aber auch Avantgarde, zum Beispiel Walter Moers oder Andreas Fröhlich alias Bob Andrew.

Die Radionacht der Hörbücher beginnt um 20 Uhr und wird von mehreren Landesrundfunkanstalten übertragen, u.a. dem RBB-Kulturradio, Figaro, SWR 2, Bayern 2 und hr 2.

Das Taubertal ist eine Landschaft, die – rein linguistisch untersucht – aller Verbrechen unschuldig sein sollte. Die Wortschatz-Auswertung der Uni Leipzig ermittelt nämlich als signifikanten Nachbarn das Adjektiv „lieblich“, wann immer das Tal auftaucht. Hilft aber trotzdem nichts: Zwei kleine Jungs sind hier im letzten Jahr ermordet worden, in einem Fall bleibt das Motiv völlig unklar. Als jetzt die elfjährige Lara nicht heimkommt, schrillen bei den SWR-Ermittlern Nina Brändle und Xaver Finkbeiner die Alarmglocken. Entsetzlich statt lieblich?

„Falsches Herz“ läuft u.a. morgen um 10 und 23 Uhr bei WDR 5 und am Dienstag auf Radio Eins.  Außerdem ab Dienstag zum Nachhören und Downloaden im Netz.

Bei einer Erkältung umgibt man sich am besten mit einer dicken Decke, reichlich Tee und – weil das im Bett am bequemsten ist – dem Radio. Gestern abend tat ich genau das. Nase und Rachen hatten den ganzen Tag über geschleimt, kamen aber in der Wärme zur Ruhe.

Und wie gut mich das Radio entführte. Zuerst las mir Arnon Grünberg aus seinem neuen Roman „Tirza“ vor. Deprimierender Stoff, hübscher Akzent. Dann speiste ich mit einem amerikanischen Multimillionär im vornehmen Londoner „Grand Hotel Babylon“ (Text). Damit er vom elitären Personal das serviert bekommt, was er wünscht, muss er erst den ganzen Betrieb kaufen. Herrlich! Vor lauter Begeisterung schwitze ich gemütlich unter meiner Decke und schlafe erst ein, als der 1. Teil um ist. Dann aber richtig lange bis in den späten Morgen.

Nadir Tarakis dritter Fall: Diesmal gibt es Ärger am Rande eines G8-Gipfels in Bonn. Auf der anderen Rheinseite ist der WDR-Kommissar mit einer Geiselnahme beschäftigt, als ihm plötzlich ein handfest politischer Zusammenhang klar wird.

„Staatsfeinde “ läuft u.a. morgen um 10 und 23 Uhr bei WDR 5 und am Sonntag um 22 Uhr auf hr 2 und MDR Figaro. (Wenn die Hessen-Wahl nicht spannend genug ist.) Außerdem ab Montag zum Nachhören im Internet.

Nächste Seite »