Vermischtes


Das tägliche Feuilleton aus Köln. Die Resonanzen bringen nicht nur aktuelle Kulturbeiträge, sondern betrachten das gesamte Tagesgeschehen aus ihrem etwas reflektierteren Blickwinkel. Dazu ein Musikmix, der entspannten Nischenpop aus aller Herren Länder enthält.

Die Resonanzen schwingen von 18 bis 20 Uhr auf WDR 3.

Zu dieser Zeit läuft die wohl längste monothematische Sendung im deutschen Radio zum Finale auf: die Lange Nacht. Mitternacht plus drei Stunden heißt der Rahmen, immer von Freitag auf Samstag. Und die Themen? Ian Fleming war im vergangenen Juli dran, ich habe diese Sendung geliebt. Romanzitate, ungewöhnliche Bond-Musiken, gute Gäste… Die Archiv-Seite verrät schon etwas von der Akribie, die dahintersteckt.

Neulich drehte sich’s ums Bauhaus – Architektur im Radio, sehr bemerkenswert. Später im April wird es um einen „Jahrhundertspaziergang durch Berlin“ gehen oder die Mäzenin und Nähmaschinenerbin Winnaretta Singer. Abseitig? Bisweilen ja. Aber meist sehr gut zusammengestellt, man hat im Maximalfall ja drei Stunden, um sich überzeugen zu lassen – und wenn’s nicht zusagt, schwebt der Zuhörer in einen wunderbaren Schlaf. Ich spreche aus Erfahrung.

Die Lange Nacht läuft in Nächten von Fr. auf Sa. im Deutschlandradio Kultur (0 bis 3 Uhr)  und wird in Nächten von Sa. auf So. im Deutschlandfunk wiederholt (23 bis 2 Uhr).

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Ich wollte nur schnell nach der WDR-Wirtschaftssendung Profit googlen – die durchaus zu empfehlen ist.  In unserer gewinnorientierten Zeit finde ich es aber wunderbar, dass Google dem etwas entgegenzusetzen hat.

Das waren noch Zeiten. Über drei Jahrzehnte, von 1950 bis 1982, hieß das Kinderprogramm der BBC Listen with mother. Täglich um viertel vor zwei gab es Lieder und Geschichten zum Nachtisch. Dass die Mutter zuhörte, klang ja schon im Titel der Sendung an. Dem Kinderprogramm des Jahres 2009 wird das zum Verhängnis, denn ihm hören offensichtlich nur noch Mütter und Großväter, aber kaum Kinder zu. Von 450.000 Hörern sind nur 20.000 jünger als 14, der Schnitt ist Mitte Fünfzig.

Die BBC wird im Mai Go 4 it einstellen, das zur Zeit wöchentlich kommt, und dann im analogen Radio nichts mehr explizit für Kinder im Angebot haben (nur noch im Digitalfunk). Der Guardian berichtet und reflektiert. Kehrt man hier der nachwachsenden Radiogeneration den Rücken zu?

In Deutschland haben wir vergleichsweise ein reiches Kinderradio. Zumindest wöchentlich sendet jede ARD-Anstalt etwas für die Kleinsten, und manche tun sich besonders hervor, wie der WDR mit seiner täglichen Lilipuz-Stunde und der BR, der eine wunderbare Klassiksendung für Kinder hat. Alle funken aber auf den Kultur- und Klassikwellen vor sich her – würde man die Quoten messen, käme womöglich ähnlich Ernüchterndes heraus wie in England. Am Privatsender Radio Teddy kann man das sehen: Laut der letzten Media-Analyse ist die stärkste Altersgruppe zwischen 30 und 50.

„Kinder wollen nicht nur hören, so ohne Bilder“ und „Kinder sitzen nicht vor einem linearen Medium“ sind verbreitete Argumente im Abgesang aufs Kinderradio. Aus meiner Sicht Blödsinn. Geschichten auf Kassette, CD oder MP3 hören sie ja, und sobald sie die Uhr lesen können, haben sie auch kein Problem mit festen Zeiten. Was sich hier widerspiegelt, ist vielmehr die fehlende Vermittlung durch die Erwachsenen. Woher sollen Kinder das Angebot kennen? Der Titel Listen with mother kam ja nicht von ungefähr.

Ich habe keine empirischen Studien zu diesem Thema durchgeführt. Aber ich glaube, dass wir als Eltern (und als Radioliebhaber sowieso) besser damit fahren, wenn unsere Kinder auch gutes Radio kennenlernen. Wir können ja trotzdem selber zuhören.

Tägliche Sendungen: Lilipuz und Bärenbude (WDR 5/Kiraka), Ohrenbär (WDR/RBB/NDR), Mikro und Do Re Mikro (Bayern 2/4), Kakadu (D’radio), Domino (hr 2), Pirando (DRS)

Das nenne ich Einsatz bei den Jungs und Mädels von 98.5 Radio Bochum. Der Sender zieht heuer ein paar Straßen weiter, vom Westring in die Huestraße – damit aber kein Sendeloch (oder gar eine Dauerübernahme des Mantels aus Oberhausen) entsteht, während die Mischpulte und Mikros rübergeschafft werden, hat sich die Redaktion ein Provisorium einfallen lassen.
Aus dem Konferenzraum im alten Gebäude kommt während dieses Wochenendes ein Rund-um-die-Uhr-Lokalprogramm. Realisiert über einen normalen PC, mit einfachem Headset und sicherlich viel Spaß. Wenn alles klappt, kommt Hallo Wach am Montag dann aus dem neuen Studio.

98.5 Radio Bochum ist im Herzen des Ruhrgebiets unter der gleichnamigen Frequenz zu hören. Persönliches PS: Bei dem Sender entstand vor Jahren mal mein erster Lokalradiobeitrag :-)

berlinale-hundEin Filmfestival in Berlin ist das natürliche Terrain für einen Radiosender aus Babelsberg. Bis auf das wenig optische Medium Radio natürlich, könnte man meinen. Aber da kennen die Zweifler Knut Elstermann und seine Redaktion schlecht. Wer jede Woche das nachmittagsfüllende Magazin Zwölf Uhr Mittags hinbekommt, für den ist auch ein komplettes Berlinale-Specialprogramm kein Hexenwerk. Und mal ehrlich: Sind die Bilder à la „Blitzlichtgewitter auf rotem Teppich“ etwa interessanter als z.B. die abendliche Talksendung, wo mal ein Banker den Eröffnungsfilm „The International“ aus seiner Sicht bewertet? – Beides schön? Na gut, klassischer Kompromiss :-)

Radio Eins berichtet in quasi allen Sendungen immer wieder über die Berlinale. Eine Übersicht mit Beiträgen zum Nachhören und dem Live-Stream gibt’s hier.

Photo (c): Gabriele Kantel/Schockwellenreiter, Lizenz.

Das Blog-Jahr beginnt mit einem Schock: Die FAZ hat ihr tägliches Hörfunkprogramm in der Zeitung gestrichen. Nur noch eine kleine Wochenübersicht gibt es. Mehr dazu, wenn ich mich beruhigt habe fertig gearbeitet habe.

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