Legendäre Anmoderation um 12: „Guten Tag, meine Damen und Herren, guten Morgen, liebe Studenten!“ Gesagt von Klaus-Jürgen Haller in der Mutter aller Mittagsmagazine, dem auf WDR 2. Das Konzept einer aktuellen Mischung aus Infos und Musik ist heute nicht mehr revolutionär, aber hier nach wie vor sehr gut umgesetzt. Die Verbraucherrubrik heißt Quintessenz, was wohl eines der ersten lateinischen Wörter war, die ich als Wicht kennenlernte.

Hm, wann wird ein Mittagsmagazin wohl beginnen? :-) Läuft auf WDR 2.

Advertisements

Das Konzept ist einfach und genial: Ganz normale Leute sprechen mit einer erfreulich normalen (und hochsympathischen) Moderatorin. Der Übertragungswagen des WDR tourt seit fast 35 Jahren über die Marktplätze und Fußgängerzonen zwischen Porta und Rur und hat zwar auch Experten an Bord – die spielen aber nur die zweite Geige. Die erste gehört dem Publikum, das von Julitta Münch mit Respekt, Witz und manchmal Geduld befragt oder besser: angestoßen wird. Oft überraschend, denn live, und fast immer unterhaltsam. Das wohl berühmteste Thema war „der ganz besondere Saft“ Urin – schon hieran erkennt man, dass es die scheinbar banalen Dinge sind, über die sich spannend sprechen lässt.

In meinen Kindertagen führte Carmen Thomas durch die Sendung, und es ist übrigens ein Jammer, dass man sie wohl häufiger mit ihrem „Schalke 05“-Versprecher verbindet als mit dem Ü-Wagen.

Hallo Ü-Wagen kommt samstags von 11 bis 13 Uhr auf WDR 5.

Radio ein flüchtiges Medium? Nicht, wenn Dinge sinnbildlich aufgeschrieben werden wie beim Notizbuch, das zwei Stunden lang die Dinge vertieft. Das Vormittagsjournal des BR ist eine lohnende, gehaltvollere Alternative zu den „Hits bei der Arbeit“, die anderswo laufen. Manchmal ist ein Feature in die Sendung eingeflochten oder ein Studiogast, es geht um gesellschaftliche Themen ebenso wie um Wirtschaft oder Technik.

Das Notizbuch kommt werktags auf Bayern 2.

Ein mittelalterlicher Minnesänger, der vor 1200 Jahren starb? Ein Gesetz, das vor 5 Jahren verabschiedet wurde? Das Zeitzeichen hat eine riesige Palette hörenswerter Geschichte(n) im Repertoire. Nach dem kleinen Rückblick wird es zeitgenössisch, denn im Tagesgespräch können Hörer zum Hörer greifen und sich live in die Diskussion mit Moderator und Fachmann einschalten. Eine schöne Kombination zum zweiten Frühstück.

Das Zeitzeichen läuft um 9 Uhr , das Tagesgespräch im Anschluss um 9.20 Uhr, beide auf WDR 5. (Wh. Zeitzeichen 17.45 auf WDR 3 und 20.15 Uhr auf NDR Info)

Was macht eigentlich Friedrich Küppersbusch? Der geniale Ex-ZAK-Moderator schreibt ab und zu für die Tageszeitung, produziert fleißig diverse Sendungen und war mal für die Radio-Bremen-Intendanz im Gespräch. Leider etwas wenig öffentlichkeitswirksam, das alles. Aber: er komm(entier)t auch im Radio.

Die Woche beginnt für Hörer des Schönen Morgens mit einem Küppersbusch-Kommentar. An anderen Tagen wird der Platz um kurz nach acht Uhr von Tagesspiegel-CR Lorenz Maroldt, Parlamentskorrespondentin Ulrike Bieritz, Hans-Ulrich Jörges, Henryk M. Broder und Hans Leyendecker bespielt – eine meinungsfreudige Mischung.

Bei so einem Sendungstitel kann’s einem ja gar nicht schlecht gehen. Der Schöne Morgen immer von 5 bis 10, am Wochenende von 6 bis 9 Uhr auf Radio Eins.

Ich verbrachte ein paar Tage im Nirgendwo, aber ich hatte die Welt im Radio. Es war in Bad Wörishofen, dem kleinen Kneipport im Unterallgäu, wo ich das 2. Programm des BR kennenlernte und die wunderbaren Zeitfunksendungen. Besser hat noch kein Sender meinen morgendlichen Geschmack getroffen: eine hohe Informationsdichte, bei der aber auch ein bisschen Unterhaltung und eine klasse Musikfarbe dabei sind. Etwa viermal pro Stunde eine Platte, die wirklich handverlesen ist und nicht zufällig von der Airplay-Liste ausgespuckt – der Bogen geht von Paul Anka über Peter Licht bis hin zu portugiesischem Chanson. Zum Schluss steht immer die Glosse „Ende der Welt“.

Es sind die kleinen Details, die beweisen, dass hier noch mit viel Liebe Radio gemacht wird: Die Moderatoren bedanken sich zum Beispiel on air bei ihren Interviewpartnern und wünschen ihnen einen schönen Tag. Auf anderen Wellen wäre das eine undenkbare Zeitverschwendung. Freitags wird angekündigt, wer am Montag moderiert – im schnelllebigen Radiobusiness völlig wurscht, aber bei Charakteren von Belang. – Außerdem, ich geb’s ja zu, strahlen für mich südöstliche Dialekte Gemütlichkeit aus.

Die Radiowelt-Frühausgabe läuft von 7 bis 8 Uhr 30. Weitere Sendungen um 13 und 17 Uhr, alle auf Bayern 2.

Die nachtschlafende Zeit wäre überstanden. Man verzeihe mir, dass mir zur Fünf-Uhr-Stunde nichts anderes als um vier eingefallen ist. Aber um 6 geht die Primetime los, hier gibt jeder Sender sein Bestes. Wie es so früh schon ein Echo geben kann, wissen wohl nur die Leute beim WDR, die sich die Sendungsnamen ausdenken (und das Morgenecho in Analogie zum Mittagsecho und Echo des Tages betitelt haben) – de facto wären die Nachbarn wohl wenig erfreut, wenn man sie lauthals nach dem Geschehen in Wesel, Wien oder Washington fragen würde. Das Morgenecho hat trotzdem auf alles eine kompetente Antwort. Eine solide Zeitfunksendung ohne viel Schnickschnack.

Das Morgenecho erschallt montags bis freitags von 6 bis 9 Uhr auf WDR 5.